Freitag, 17. Juni 2005

22.6.2003

In der Küche, heute wg Himmelsgräue schon düster, etwas unaufgeräumt, still, unausgepackte Tüten mit Beerenpracht auf den Ablagen. Meine Mutter setzt sich an den Küchentisch, wir haben 15 Minuten bis zum Sandmännchen. Wir trinken das Vera-Wasser aus den hellgrünen Plastikflaschen, die Zwillinge haben überall Kirschen hingetan, wir sammeln sie auf und stecken sie in den Mund. Sie sagt, das sie immer traurig sei an diesen Junitagen, weil ihr Mann und mein Vater vor zwei Jahren am 22. Juni gestorben ist und dann erzählt sie mir wie letztes Jahr auch diese letzten Stunden in einem Krankenhaus in Chiavari, Italien, nicht stockend, aber etwas atemlos, es klingt noch, als wäre es gestern passiert. Sie sagt: Ich hätte nicht so lange wegbleiben dürfen über Mittag, aber ich habe nicht mit dem Tod gerechnet an diesem Tag, ich bin mit dem Bus in die Stadt gefahren zum Mittagessen, dann bin ich zurückgekommen und hab gesehen, das er abgebaut hat, er hatte sich verändert, etwas war geschehen, und der Arzt hat gesagt: es passiert jetzt, er geht (se ne va). Sie erzählt, das sie ihn im Arm gehalten und seine Augen geschlossen hat, als er starb, und wie froh sie jetzt darüber ist. Wir gucken beide mit feuchten Augen ganz still auf die Tischplatte, aber ist noch kein rituelles Gedenken, es ist noch die Fassungslosigkeit vor dem Tod dabei, die Erinnerung noch voller Details und nicht durchkommentiert und von Verknüpfungen entstellt. Na ja, sagen wir beide, und dann erzählt sie, wie sie es sich in den frühen sechzigern auf ewig mit ihrem Schwiegervater verdorben hat, als sie beim ersten Besuch in roten Hotpants aufgetaucht ist.

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