futilità
im KaDeWe auf der porzellanabteilung, so in einer nische unter glas: ein bestecksatz aus feingold, 635.000 €. ein italiener im vorbeigehen: guarda, ti fai un'appartamento con questi. gedacht: teure wohnungen in italien, keinen gedanken an das gold, nur noch eine farbe, wenn es kiloweise daherkommt.
der segmentierte und a la julienne geschnittene kaufrausch, mit dem man gut leben kann. vor dem glas, hinter dem bestimmte lieblings-meißentassen stehen, stück 408 €, dann nicht mehr als ein kleines schlucken. ob wut oder mitleid, wer weiß das schon, es ist der leichte schwindel darüber, so fest im sozialen gefüge verankert zu sein, in einem kontext, der meißen und gold nicht integrieren kann, zu allererst, und es dann auch nicht mehr will.
 
- Mittwoch, 14. November 2007, 15:21
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Hell-gold-braun
stand auf der packung mit der haarfarbe
ergebnis: braun
(erster weiß-verscheuch-versuch, nur die schläfen, ein wort für männerköpfe: schläfen. das unangenehmste dabei ist die suche nach dem richtigen farbton bei schlecker, die ganzen packungen mit kleinem farbenfoto in einer der ecken, diese ganzen möchtegernfarben, das frau allein mit sich, ich hätts dann fast gelassen deswegen. wobei die farben alle so heißen, es gibt kein schwarz oder braun, es ist alles durchträumt mit kupfer, stahl, gold und siena oder heu, sie könnten auch einfach draufschreiben: genau dein schönes leuchtendes braun haben wir! dein besonders besonderes durchmischtes fastblond! haben wir zufällig auch. dein früheres sommerhaar! dein junges kompaktes mädchenhaar, dein haar mit apfelaroma und mit brandspuren von den ersten kippen an den ersten lagerfeuern! mit hundertprozentiger grauabdeckung.)
 
- Samstag, 10. November 2007, 21:15
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parfum nur noch, wenn ich allein bleibe am tag, wegen der aufdringlichkeit, als ob das schwächt, der griff zum duft, auf ein bedürfnis hinweist, wo keins sein soll, einen akzent setzt, den niemand sehen will, der sich aber in die nase schlingelt*. zur therapie dieser ärgerlich protestantischen vemeidung von sinnlichen akzenten benutze ich parfum jetzt täglich, gleich früh am morgen, dann ist es bis zum abend nur noch eine note und ich freu mich dran. man muss der mutter aller schlachten zeit ja nicht vorauseilen, gell, das wäre albern und pathetisch. außerdem aus den ecken gekramt: zu kurze röcke, tiefe ausschnitte, enge pullover. kurven ans licht. das meiste am selbstbild macht man selber. im november? egal.
*"schlingelpflanze" heißt ein frühes lieblingsspiel der kinder, wo man sie festhalten und dabei kitzeln muss.
 
- Donnerstag, 1. November 2007, 13:06
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das inselglück, die schreibtischinsel. leerlauf um eine alte meissentasse mit mingdrachen und goldrand, die ich einmal bei ebay, und dann quer durch die stadt bis südsüdrudow im auto, um sie abzuholen aus einem einfamilienhaus, die frau und ihr sohn, die mir die tasse gaben, in einer leuchtend violett gestrichenen küche, beide mit hellblond gefärbten haaren, eine tassenrettung erster güte. ich weiß noch, wie blöd ich mir vorkam, als ich mit tasse auf dem beifahrersitz zurückfuhr, anderthalb tonnen auto zu bewegen wegen sowas kleinem.
die versuchung, für das neue handy was zu nähen, oh mei.
 
- Donnerstag, 25. Oktober 2007, 21:45
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einfach mal weiterfahren, das kopfsteinpflaster (das wort ist wie die sache, es schlägt dir die zähne aus nachts) nicht bemerken, das fahrrad klappert aber nicht mehr, der lack glänzt wieder. heut früh war meine tür neu abgeklebt, als ich wieder nach hause kam, wegen den farbarbeiten, die klebstreifen wieder über jede ritze, jedenfalls staub kommt da nicht mehr durch. da bin ich einfach wieder umgedreht und noch ein bischen weiter gefahren, die danziger runter.
 
- Donnerstag, 25. Oktober 2007, 14:21
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Es gibt da Einen, den ich gerne hätte, ganz ohne Worte am liebsten, ein schönes altmodisches Erkennen, ohne Geschichten und gern auch ohne Zukunft. Der Mann hat ein volles Leben, ein Lokal und einen eher besonderen Laden, schöne Frauen und Kinder, aber da ist außerdem noch was Verträumtes und sehr Ruhiges in seinem Blick, da führt etwas noch ganz woanders hin. Das wäre ein Vermischen von Unbekanntem, verschiedene Wasser, eine kurze Verwirbelung der Elemente, aus denen man besteht. Vielleicht nur im Vorübergehen möglich, wie unser Hallo vorhin.
 
- Dienstag, 26. Juli 2005, 20:43
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