angelweide

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100% Eisenblech

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im grunewald ("berliner forste") an einem sonntag nachmittag total allein gewesen, auf schmalen schlammigen pfaden, immer weg von der avus, dann komplett verlaufen. gelegentlich ein pferd. auf einer abgeholzten lichtung mit struppigen gestrüppen dann plötzlich lauter kaum angezogene männer hinter büschen. wo gehts denn zum teufelssee? frage ich und man weist mir die richtung, ich laufe weiter stun-den-lang auf den pfaden, bis mich das vertraute clickern der walkingstöcke wieder auf den rechten weg zurück bringt. der teufelssee ist genauso wie in den achtzigern! nackte und weniger nackte unter 30 und über 50, dazwischen angezogene mütter mit ihren nackten kindern, ein potpourri durch die zeiten. früher war die wiese größer. not? (wie ich da mal lag mit einem ex, aber wir mochten uns irgendwie noch, vor jahrhunderten, wir lagen nebeneinander und unsere kleinen finger gerieten aneinander, ich weiß noch, wie ich dabei auf so eine leicht genervte weise oh no dachte, und dann folgte ein mehrwöchiger salat. das waren natürlich andere sommer damals.)

viertelstunde

das nur-beim-ausgehen-rauchen ist nur gesund, wenn man nur alle zwei wochen ausgeht, jetzt hab ich heut schon wieder, prater mit freundin und kindern, der pratersommer, man kennt die speisekarte auswendig nach ein paar wochen sommer, nudelsalat mit leberkäs, ein bierchen, ein cool aussehender vater zeichnet sein kind, er hat einen richtigen zeichenblock dabei, ein klemmbrett, stifte, ich überlege, mal zufällig vorbeizugehen, weil es ein block ist und kein notizbuch, die blätter fliegen im wind, das kind wie grade aus den zwanzigern hierher teleportiert, mit stoffwindel und kleiner weißer schiebermütze, meine zwillinge mit einer ungeheuren energie auf so einer riesenschaukel, man mag gar nicht hinschauen, einen tisch weiter setzt sich dieser mann hin und sieht immer noch so aus, dass ich plötzlich aus dem gespräch falle und gerne eine weile hinschauen würde (ist das eigentlich normal, an sowas zu denken, also an möglichkeiten, wünsche und chancen, wenn man einen besonderen mann in reichweite hat? man liest so wenig drüber. es ist wie ein schneller und autonomer sinn, er sagt eigentlich nur ja oder nein, der immer neben und unter dem gespräch hin-und herfließt, mal schneller, mal langsamer, synchron und diachron, verknüpfungen findend und suchend, zusammenhänge, begründungen, kleine fröhliche seifenblasen, frei, eine ständige interferenz, die abstände, blicke und sätze hinaufschleudert in die anderen dimensionen, wo sie verloren gehen, weil sie nicht gebraucht werden, weil sie nicht kommuniziert werden in der wirklichkeit, in der die sonne blendet und untergeht und ich nach hause muss mit meinen kindern.) - den mann grüße ich seit ein paar jahren, er grüßt zurück, wir sind nachbarn mehr oder weniger, der wär doch was, meint die freundin, nein, sage ich, anderes kaliber, dann reden wir wieder über schulen und politik und die sommerferien, die kindsväter und den sport und dass es bei yoox grad lauter sandalen gibt, falls das alles länger so bleibt, so großartig, mein ich jetzt.

juni

wo sie wohl hin ist, die frau casino von früher? sammle die scherben ein nach einem wochenende voller streitereien mit den jungs, müdigkeit, grade außer atem plötzlich vorm spiegel gelandet, zuviel grau, die augen umringelt, alles sieht alt aus, die klamotten irgendwie übereinander gezogen und nicht zur feier des junisonntags, eigentlich total hinüber, erschöpft und unfroh. meine mutter hat mir mein geburtstagsgeschenk wochen früher gegeben, weil sie auf reisen geht, ein leder-armband einer extrem namhaften französischen firma, hell yes, denke ich, aber wo ist die frau hin, die sich dadrüber echt sehr gefreut hätte, e che ne so, an einem verregneten junisonntag vor 15 jahren lag die mal auf dem bürgersteig der dieffenbachstrasse im regen, unter einer ollen bmw, und hat die ölwanne ausgetauscht, die einen tag davor zerschreddert wurde, als ich mit zuviel schwung auf den bürgersteig gebrettert bin, um einer freundin zu hilfe zu eilen - die hatte sich vor ihrem sehr neurotischen lover in ihrer parterrewohnung versteckt, und der war dabei, durch das küchenfenster einzusteigen. die freundin blieb unter ihrem schreibtisch, ich schmiss den herrn raus, der auch nicht mehr so genau wusste, was er da tat, sich aber weder entschuldigte noch wunderte, sondern einfach "okee" sagte und ging, jedenfalls lag ich da an dem sonntag danach, und ein mann trat zu mir, ich sah nur seine beine, und sagte "ich hab auch eine guzzi", ich musste lachen und hab öl ins gesicht bekommen - mit dem hab ich dann in den wochen danach ein paar touren gemacht, er hatte tatsächlich eine california III, in weiß, wunderhübsch, der wollte mich dann nicht mehr sehen, nachdem ich ihn einmal zum tango in den meistersaal mitgenommen hatte, ich immer lederhose und stiefel unter die tangokleider und mit helmfrisur, das hat mir was ausgemacht damals, aber mit den halben helmen sahen die haare irgendwie noch schlimmer aus, oben geplättet, unten verklettet, das war auch nix, der typ ein reicher architekt aus kreuzberg, mittfünfziger, erstes motorrad, der kam mit der frauenrolle im tango nicht klar, so eine frau wollte der nicht, jedenfalls lachen die freundin und ich noch heute über den lover, so ein verkrachter künstler war das, die gab es damals noch. sie hätte sich besser auf dem hochbett versteckt, auf dem wir dann auch mal in einer sylvesternacht zu dritt, weil wir beide denselbsen typen cool fanden, der mann war dann aber überfordert, glaube ich, und hat uns einzeln mit nach unten ins zimmer genommen. war auch okay. jedenfalls vermisse ich diese ganzen geschichten etwas, sind die noch da, bin ich das noch? das moped hab ich verkauft, als ich schwanger wurde, an einen mann, der fürs technische museum alte sachen gekauft hat, das war auch ein feiner tangotänzer, der sich getrennt hatte, um mit einer jungen tanguera durchzubrennen, und es hat mir erst etwas leid getan, das ich das nicht war, aber dann kam meine liebe und der tango hörte auf, er hat meine kiste noch genommen, für 3300 dmark, und kam mit seinen beiden pubertären töchtern, um sie abzuholen, und ich dachte noch: so große kinder hat der, mei oh mei, der muss schon über vierzig sein. kann das denn sein, dass es diese leute nicht mehr gibt, wo genau hält sich dieses paralleluniversum mit all dem sex und den nächten und den möglichkeiten, den offenen stellen, den lücken und den räuschen, dem morgendlichen nachhausegehen an der seite eines typen, man hat keine ahnung, ob man ihn mitnehmen will oder lieber doch nicht, es wird sich ergeben, es ist noch zeit, und man blinzelt ins sonnenlicht, die strassen sind leer, dann geht man mit, oder eben nicht, ich habs vergessen, es ist alles solange her. (ach jugend. das ist so ein moment, an dem sich frauen gleichzeitig zum fitness, zur pediküre und zum friseur anmelden, und sie können drüber lachen dabei, aber es tut trotzdem ein bisschen weh)

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während ich am schreibtisch sitze und auf einen die ordnung verdeckenden haufen von firewirekabeln, netzteilen und adaptern schaue, dabei den kabeln zu folgen versuche, also nicht mit dem blick, eher mit dem herzen, weil alles grade überall hin kann, das ganze zubehör wie beim aufräumen beseite gelegt und nicht ineinander verstaubt, weil ich sie erst gestern beim suchen dahin gepackt habe, aber es ist ein dünner und durchschaubarer haufen unordnung, gerade genug, um eine minute hineinzustarren, und dabei läuft nebenher auf dem rechner ein insektenhorrorfilm, ich stelle mir vor, wie die schauspieler während der drehpausen kein einziges mal über den film geredet haben, ich wollte wenigstens ein bisschen dekadenz, und sonst gibt es nur diese wochenshow, deren sketchwesen mich zwar angenehm, aber nicht genügend adrenolytisch befremdet, noch ein wesen mit beinen und ektoskelett. vielleicht würde es ja schon helfen, den schreibtisch umzudrehen, sodass ich die bücher sehen kann beim beschäftigt sein, jaja, der heimweg ist lang.

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der zyklus ist durch. die unterhemden sind entweder mürbegewaschen oder zu kurz, die strümpfe halten auch alle zu lange, oder sie haben kleine kleckse aus rettendem nagellack im gewebe, die liebe zu diesem einen paar lederstiefel kippt, nein, die spuren von regentropfen sind keine geschichte, und man muss auch nicht an jeden regen erinnert werden. wenn die leute meinen ipod sehen, stossen sie kleine spitze schreie aus und sagen guckmal! den musst du aufheben! naja warum sollte ich ihn auch wegschmeissen, wenn er doch noch geht, wenn die musikqualität sich verbessert hätte bei den neueren, na dann. aber jetzt hier am samstag kommt mir alles so spiessig und konservativ vor, so mit leise summender beharrlichkeit, mangel an frischer energie, mein leben ein found footage film, das festhalten an dingen, bloss weil sie noch halten, sollte man nicht ab und zu runderneuern, blank und leer neu anfangen, ist nicht mein altes paar stiefel immer auch schon aussage, sie haben auch nicht den angenehmen tarneffekt von frischgekauftem zeug, die machen ja das subjekt unsichtbar, hinter dem ichbindabei.

wobei das mimetische glück bei den röhrenhosen grade nicht klappt, oder anders als die leute meinen vielleicht, diese engen pellen sehen bei vielen frauen nur nach amerikanischer provinz mitte der achtzigerjahre aus, oder nicht? wenn diese frauenbeine den durchschnitt verlassen und geschichten oder polster oder irgendwelche besonderheiten aufweisen, dann sieht man nur noch den körper, nicht mehr den modischen gedanken dahinter, ich finde die extrem dominant, diese dinger. jede kleine varianz im konstrukt führt zur dekonstruktion ins alberne, es sei denn, die frau trägt eine dieser brillen dazu, mit denen meine mama in den siebzigern großartig aussah, und vielleicht frau hepburn in den vierzigern, aber die trugen sie in einem kontext, der nicht nur behauptet war, hier auf der raumerstrasse kann ich dann nur noch die brille sehen, und der rest des outfits könnte ebensogut ein bademantel sein oder ein putzkittel, aber ist es natürlich nicht, der rest ist auch immer uptodate, kein mensch kauft sich nur eine neue brille. auch nach zwei jahren bekomme ich bei diesen riesigen dingern immer noch einen kleinen schreck, meine gedanken setzen kurz aus, das gesicht vor mir zerfällt, auch weil mund und nase plötzlich egal werden bei den monstergläsern davor.

mir stehen ja keine fliegenaugenbrillen, natürlich ist ein bisschen neid dabei, aber mehr wegen der unbekümmmertheit, mit der diese leute jede mode mitmachen, während bei mir immer noch meine gelegentlich komplexe persönlichkeit eingekleidet werden muss, und die braucht häufig weder glamour noch beachtung, sondern etwas diskret schwarzes. (heute trage ich einen fuchsiafarbenen glänzenden rollkragenpullover von versace, 5 jahre alt, das tragen von diesen sichtbaren klamotten ist immer ein gefühlter kontextwechsel, vom just me ins gruppending, von der raumerstrasse zur bühne berlin)

aber eigentlich bin ich bloss gestern an einem paar roter lederstiefel vorbeigelaufen, 2ooplus, und ich kann mich nicht entscheiden, daher.

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in zügen sitzen die männer immer unbeweglich vor ihren rechnern oder in ihren träumen, und die frauen rascheln und räumen, und werfen ihre sachen auf den boden. auf der reise sein macht nur noch ungeduld, die welt ist nicht schnell genug draussen, immer nur bleibendes, und drinnen ist es zu still. das abteil immer nur zufälliger gegenentwurf zu allen anderen abteilen, in denen ich schon gesessen bin, wie der kopf trotzdem versucht, sich irgendwas zu merken davon, das austauschbare zu besprengseln mit spuren, die man erinnern kann.

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das problem bei diesen online-partnerbörsen ist, das es börsen sind, in denen zahlen eine rolle spielen. ich mag zahlen so als perlen einer kette, oder als bezeichnung von dingen, aber ich misstraue den untiefen der abstraktion etwas. was man lieben könnte, geht verloren dabei, da ist sie ein absolut sicherer hafen.

gregor grade immer: mama, was ist denn mathematik? ich dann: na, auch ne sprache, in der man sachen beschreiben kann. er: kann man da wirklich alles bis ins kleinste detail beschreiben? (er hat ne gute lehrerin, offensichtlich) ich sage ihm dann, ja, kann man, wenn man die sprache gelernt hat, das ist anders als deutsch, es ist eine art anderer sprache, die ins deutsche übersetzt wird. er: ach so.

abgesehen davon ist der raum im hirn noch nicht wieder ganz leer, gut, keine möbel mehr, fenster geputzt, staubfrei, aber dein lächeln hängt noch drin wie das lächeln der cheshire cat. vielleicht transmittet sich das zwischen den pixeln und bits in der online- kommunikation ja auch.

man weiß ja immer alles. dann rührt sich die psyche im hinterkopf und bewegt die wasser etwas, und man merkt ganz beruhigt, dass man nur die oberfläche weiß, man weiß eigentlich nur, was man erinnern kann, der rest ist gefühl und musik. (weisheitszahn noch, sorry. ich radebreche)

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Schwäche für Filmanfänge. Die Normalität, der Alltag, das ungetrübte Selbstverständnis der Protagonisten, die Gewohnheiten, das Angebot an den Zuschauer, Oberflächen und Spiegelbilder und runtergekochte Clichees, auf Details reduziert, aber noch kenntlich, die Eisbergspizen, die auf Sozialisationen oder soziale Schichten hinweisen. Dann die Übergänge zum Plot, die mimetische Einpassung, vielleicht ein Anruf, ein Zufall, eine kleine Varianz, das nahtlose, wenn das Besondere und Unwahrscheinliche beginnt, die Freude an Einfällen, der Beginn der Utopien.

Gelernt, dass meine Lebensform im Jahr 2004 von 2,2% der Bundesbürger geteilt wurde. Ich bin eine echte Minderheit, minderer noch als schwule Ehen. Außerdem gelernt, dass die Armutsquote für diesen Zustand, Einelternhaushalt mit 2 und mehr Kindern, bei 40% liegt, der allerhöchsten überhaupt. Ich denke meinen Status jetzt auch immer als Filmanfang. (Quelle)

(Grundlagen für Bedürfnislosigkeit)
(Und natürlich sind wir die Ausnahme, sowieso)

Bildgeschichten

über die kunst nachdenken, also die erreichbare kunst, den verstehbaren teil davon. wie sich die bilder verändern, die man in der eigenen wohnung hat, sie verlieren an tiefe, sie werden zu worten oder namen, und verschwinden ein stück weit in dem platz, den sie an der wand innehaben, ich nehme grade noch die kleinen geschichten ihres besitzes war (gekauft wegen..., und wann, und wie teuer fühlte sich das an damals, oder geerbt von), als rauhe stellen beim vorbeigucken, sie stehen weniger für sich selber. besonders eine umbrische landschaft ist fast unsichtbar geworden über die jahre, eine radierung von giulio sartorio, und jetzt, nach genauem hingucken, habe ich ein komplett neues bild an der wand, ich kannte das nicht! es war so anders. jetzt kann ich endlich das meer darauf sehen, bisher gab es nur so einen nebensächlichen hinweis darauf in einer bildecke, jetzt sieht man seine nähe auch an den krummen und windgebeugten kronen der küstennahen pinien, drei oder vier davon stehn auf einer kleinen anhöhe und sind dem wind ausgesetzt, und genau wie diese paar bäume im bildmotiv, so hat der ganze pinienhain, nach dem das bild heißt, einen schweren stand vor dem rest der landschaft, also so im bildaufbau, himmel, hügel und maremma, alle unveränderbar durch witterung und zeit, und wie schön das doch gelungen ist, dass sich ihre kraft als baum und ihre kleinheit als teil der landschaft in darstellung und aufbau wiederspiegeln und sich verstärken. neues bild! große freude. (wenn ich mein kamerakabel schon wiedergefunden hätte)

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