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tagebuch

2009

die große entspannung. froh über den freiraum und den winter, die stadt. leises schlechtes gewissen, weil ich soviel geld in whisky, andrerseits achegal-feeling. der alte auchentoshan eine echte offenbarung, sehr gefreut dadrüber, allein im fast dunklen wohnzimmer, den kleinen zwischenraum genossen zwischen mir und der inszenierung.

alte freunde sind da, vielleicht sogar ein paar neue, viele davon habe ich viel viel zu selten gesehen, das will ich ändern, wie jedes jahr. weniger vernissagen und premieren, mein dabeisein-impuls ist nicht mehr relevant in der zeitplanung. ich gehe auf die von freunden, obwohl berlin da langsam rausrutscht, die leute ziehen herum mit ihren arbeiten, sie scheinen zu alt für die heidestrasse. (der beste freund schickt bilder vom marathon in malibu, wo er mit familie für einen auftrag hingezogen ist, für einzwei jahre, er ist braungebrannt und strahlt, im hintergrund das meer). auf den veranstaltungen wird der wein besser, manchmal kauft man was, meistens nicht. dieses bild werde ich am sonntag angucken, ich hatte so einen kleinen och ja- gedanken, aber es ist viel zu viel manifest, und im manifesten zu simpel für mein leben grade. keine klunker. ich trage meine dicke perlenkette wegen ihrer symbolhaftigkeit nur unter pullis oder allein, obwohl, perlen, ihre besondere fastorganische masse, ihr schimmern, sie sind unglaublich schön. die merkwürdige verwaiste schönheit des signifikanten.

an den kinderfreien wochenenden wunderbar auch einfach nur schlafenkönnen, nicht anziehen, mit keinem reden müssen. endlich die dvds sortieren. ein bisschen demotiviert durch ein museum gehen, gekaufte fertigsalate essen (kollwitzmarkt), mir ist dann sogar der hund zuviel, andrerseits macht es spass, allein mit hund herumzuflanieren, stundenlang, immer auf der kante zwischen gegenwart und abgeschiedenheit, dabei leute gucken und versuchen, sie ein bisschen zu verstehen mit einem einzigen blick, der genau zwischen person und mode passt, es gibt so eine spezielle haltung, in der man wahrgenommen und der blick beantwortet wird, ich hab noch nicht ganz raus, was das ist. neulich habe ich dabei aus einem männergesicht ein schönes ja!- lächeln bekommen, und damit die sicherheit, dass die nerven noch da sind, geputzt und poliert in der tiefgarage.

in der wohnung duft von frischem shortbread, und der von hühnersuppe. das ist ganz okay. wobei hühnersuppe für mich inzwischen fast kohlgeruch ist.

finanziell nicht verbessert, das will ich ändern 2010. ich hätte gern einen 20-stunden job, der nicht mit nach hause will, 20 stunden, weil mehr nicht geht mit den kraftreserven. irgendwas wird sich finden.

und der letzte aspekt dieses jahres: das allein können ist nichts vorübergehendes mehr, es ist ein fakt, wie ein stein in der wand unter den anderen steinen und dem putz. es ist zweifellos das anstrengenste an meinem leben, die verantwortung für drei söhne und meine krankheit, die vielen entscheidungen immer, soll der große zuhause bleiben, oder ist sein bauchschmerz mehr psychisch, und sollte er dann nicht erst recht zu hause bleiben, das allabendliche kochen, für das ich zu oft keine energie mehr habe, die vielen neins, die die kinder einem entgegenschleudern, beim instrumente üben, vorm sport, vor den hausaufgaben, dass man nie weiß, ob die entscheidungen richtig oder falsch sind für die kindesentwicklung, erst in 15, 20 jahren wird man das wissen, sich deshalb schon aus kraftökonomie dem bauchgefühl überlassen, das sagt: es ist richtig so. und auch akzeptieren: du weißt es nicht. es kann auch schiefgehen.

die logistik, die ein netzwerk hervorgebracht hat.

ich denke, dass beruflich gut eingespannte menschen ja irgendeine anerkennung durch lohn und kollegen haben, und familien den dialog mit dem partner, jemand wie ich muss die wertschöpfung meistens komplett allein machen, obwohl die kinderliebe natürlich eine riesen kraftmaschine ist. ich bin mir nicht sicher, ob diese autonomie gesund ist. ein teil vom bloggen kommt wohl auch aus der ecke, die imago –

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nach 2 wochen albernem hinterhertelefonieren endlich termine für eine schweinegrippenimpfung bekommen. (mutter diabetes, kinder asthma, und mein leben läuft generell häufig nach murphys law, deswegen)

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kinder haben bei zoo tycoon entdeckt, dass man auch alle tiere in ein einziges gehege stecken kann. nach ein paar minuten beschweren sie sich, dass die knochen der kadaver alle gleich aussehen. testosteron ist eine plage.

kein whisky

der eigentlich relativ entspannte versuch, auch mal andere onlinehändler als die großen zu versuchen, klappt immer nur bis zur bezahlung. das ist immerhin ein guter anfang.

meinen winterwhisky habe ich bei zwei händlern bestellt, am 1.11., bislang ist keine flasche davon hier angekommen. der eine reagiert immerhin auf meine emails, erst war der lagavulin leider just am tag meiner bestellung von "asiaten" weggekauft, dann ist die dhl-sendung an mich verloren gegangen, mittlerweise ist auch der bestellte auchentoshan alle, also nicht im netz, nur im regal offensichtlich, ich kriege aber eine "erheblich teurere" andere abfüllung mit, "für den us-markt". na mal gucken. vom pech verfolgt, der händler.

der andere hat noch nicht mal die mail beantwortet, allerdings erfolgte der lastschrifteinzug erst am tag meiner mail, mit der ich mich anderthalb wochen nach bestellung mal erkundigt hatte, wie es denn so läuft mit dem versand. leute, leute, so wird das nix. onlinehandel geht leichter, wenn man gelegentlich mal ins system guckt.

(und ich glaube, bei der bank muss ich fürs zurückbuchen der überweisungen auch noch bezahlen. grmpf.)

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sehr gemischte gefühle, wenn der hund, schon mit schwerer schlagseite, frohgemut und neugierig in den op-raum zu seiner kastration schwankt.

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diese abende, wenn man dann um 21:13 aufs bett fällt, in einem gloriosen feierabendgefühl, mit so einer körperlichen zufriedenheit, obwohl nix von den wichtigen dingen irgendwie erledigter wäre als am tag davor. ein krankes kind mit fieber &Co, ein interview wegen jack, dann spuckeimer leeren, hund ausführen, ragu vorbereiten, vorlesen, zu schreiben versuchen, aber es rauscht nur so durch alles, ich schreibe irgendwas ab, was ich im kopf habe, ohne das da eine gegenwart drin wäre, kein immedesimarsi, dann wäsche, den kinderarzt anrufen, unbedingt, sagt der, die anderen beiden mitnehmen wegen grippeimpfung, am computer sitzen, david leidet und will präsenz und vor allem will er sich unterhalten, über die impfungen der brüder, über das unglück, dass es sein lieblingsessen gibt an einem tag, an dem ihm krank ist, aber das sei wohl schicksal, da dreht mama sich um und sagt: was?, aber david ist schon wieder bei einem anderen detail, dass er nämlich auf jeden fall für hausaufgaben viel zu krank sei, und ob er jetzt fernsehen gucken kann, mama, dann kannst du auch arbeiten, aber ich komme nicht ins denken, david will noch so einen tee wie gestern, mit zimt, den mache ich, dann wieder schreibtisch, dann die wäsche, ich surfe ein bisschen rum, die umfangreiche und ausreichend existenzielle innere todolist ist auf chinesisch plötzlich, nur noch seltsame zeichen, ein plakat für eine veranstaltung, auf die nun grade ich bestimmt nicht kann heute, nee, ein altes filmplakat. immerhin sind jetzt alle außer david geimpft, aber ich wollte doch wichtige sachen machen, einen text fertig, der bröckelt vor sich hin, die sätze lauter verschieden große perlen, no continuity, ein paar stunden nur, aber david ist krankgeschrieben die woche, überhaupt waren die kinder in diesen beiden monaten 4 wochen krank, nicht alle auf einmal, aber immer einer oder zwei, betreuung immer ich, zeiten immer myself, weil dem mann immer alles zuviel wird, und die kinderkrankheiten auf einem ANDEREN PLANETEN stattfinden, und raumfahrt kann er nicht, letzte woche hatte ich auch magendarm 2 tage lang, allein, unterzuckert, weil nix drin blieb, anderthalb kinder hatten das auch noch gleichzeitig, da war ich sehr müde müde und auf eine heitere müde umsonstige art total angepisst, aber man schließt die augen zu kleinen schlitzen und vergisst solche tage sofort wieder. die lasagna heute war lecker ("salagna", weiß auch nicht warum, immer) die kinder sind glücklich ins bett, und es wäre so supertoll, wenn das immer so schön genügen würde wie heute. im schrank vielleicht den geist, das buch, die kühle schnoddrige intelligenz, die ich gern draufhätte, die querverweise zwischen leben und texten, heute beim kinderarzt war eine ärztin in weiterbildung da statt schwitzkowski, die kam mir blöd, da hätte ich sie gerne aus der hüfte abgeschossen mit irgendeinem passenden zitat, so eines, das die weder erkennt noch versteht, totalprivater snobismus. na, jetzt whisky, ist auch okay.

...

mein whisky ist alle, ich habe nur noch zwei flaschen ardbeg, beide schon halbleer, einen 10jährigen und einen airigh nam beast, der rest ist ausgetrunken, das ist so traurig wie großartig, heute also den vormittag sehr schwelgerisch auf singlemalt-seiten verbracht, mit der schweren entscheidung, was ich denn nu trinken werde in diesem langen dunklen winter. beschlossen, dass ich für experimente nicht reich genug bin (das heißt, dass ich brände mit der geschmacksnote "nasser hund" nicht kaufe), es sollen nur ein paar schöne sichere kandidaten werden. mir deswegen einen alten sicher sensationellen lagavulin gegönnt, den will ich schon lange mal probieren, und einen laphroaig nachgekauft, einen von den 15jährigen, weil ich die letzte flasche davon sehr gemocht habe, immer den ersten schluck nach der ersten nase, wenn alles aufgeht, wald, wiese, rauch und torf und ein kaminfeuer in einem alten haus, in dem es nach hellem tabak und zum beispiel alten äpfeln duftet. erst mal nicht den neuen 18jährigen, denn ich komme auf die schiefe bahn, wenn ich immer alle neuen abfüllungen auch kaufe. unterwegs beim herumstromern diesen hier gefunden, der soll exzeptionell sein, vielleicht mal jemanden kennenlernen im winter, der so etwas im regal stehen hat? hach! macallan dieses jahr nicht mehr, an den erinnere ich mich immer nicht deutlich genug, er war mir zu klar und zu simpel und zu herbstsonnig-eichern, dafür einen vom mek empfohlenen auchentoshan, 21jährig, der eine angenehm fruchtig vanillige beinote entwickelt, die bei meinen üblichen torfmonstern immer nur kurz mal reinschneit und zu schnell wieder weg ist. ich werde nur eine dieser flaschen verstecken.

(sehr hilfreich ist übrigens der whiskyfinder, grade wenn man nach bestimmten jahrgängen oder so sucht)

22 uhr

stapelliege

zwei schöne parties an einem abend verpasst, die eine, weil jemand vergessen hat abzusagen, die zweite wegen der ersten, ich kam also viel früher als erwartet nach hause. schlechte laune dann aber doch verflogen.

...

kein vergnügen. das hat natürlich was, aber für mich ist die innere aufraffung zum back to sports kein vergnügen genug. jetzt wieder in einem studio, die für alles offen sind, für kinder und pflanzen sowieso. bald auch für hunde.

...

wenn die leute, auf deren tagung man ohne bezahlung einen vortrag hält, weil sie ja noch ganz am anfang stehen, und weil man so doof ist, einen im programm mit komplett falsch geschriebenem namen ankündigen.

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