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große schwierigkeiten, mich kurz und lakonisch auszudrücken, wie ich es eigentlich vorhatte. macht mich sogar nicht wütend, aber doch kribbelig, weil natürlich der tod schon kalt genug ist. man sollte schreien und toben.

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vorletzte woche war guido noch lebendig, seine letzte sms ist vom donnerstag, mit der nachricht über den rückfall. am freitag war ich bei ihm, ich bin am tag der rückreise nach d mit kindern und gepäck nochmal im krankenhaus vorbeigefahren, weil die sache mich ganz dizzy gemacht hat, ich wollte abschied nehmen von ihm, und dann war es natürlich nur gerede, ein paar sätze mit „nächstes jahr“, auguri, magari vengo in ottobre, die kinder aufgereit am bettende, ein viererzimmer. aber auch eine umarmung, ich trau mich keine feste, weil er so schmal geworden war. beim rausgehen hab ich mich zweimal umgedreht, er sass da, kein lächeln, ich auch keins. kurzer blick noch, dann bin ich raus, der schnelle film darunter, das nienienie und das immer, meins und seins, auf dem weg zum fahrstuhl, die kinder schon vorausgelaufen in den kiosk unten, aber ich wusste natürlich nicht, ob er wirklich stirbt, es ist dann auch so eine aufregung dabei, wenn man selber so lebendig ist, es kann doch nicht wirklich sein, oder? vielleicht geht alles gut, er wird noch eine chemo bekommen, das hirn hofft stupide und lebendig vor sich hin, wie ein plappern, und füllt die leere, aber ich hab schon gewusst, dass ich ihn nicht mehr wiedersehen werde. war ein gut gekühltes faktenwissen. in der letzten woche immer mal wieder das letzte umdrehen noch an der tür bereut, weil es so nach abschied aussah, und er hat von plänen gesprochen, vom „leben mit der krankheit“, ich wollte nichts falsch machen. macht man nicht, weiß ich, gibt kein richtig oder falsch bei sowas, ist ja jetzt sowieso erledigt. ich weiß auch gar nicht, wieviel er wusste von seinem tod. nichts! von seinem sterben, meine ich. er war kein googler. sie spüren das, sagt die ärztin. aber so schnell?

er hat früher auf papier immer ornamente mehr gekritzelt als gezeichnet, am telefon oder auf briefen, weiß ich gar nicht mehr, bassetti hat früher solche dichten und feinen muster verwendet. ich bin dieses jahr, auch wegen der aufploppenden erinnerung an diese zeichnungen, auf dem weg ins krankenhaus bei einem bassetti-outlet vorbeigefahren, in einer neonbelichteten lagerhalle neben der strasse, aber heute sind die stoffe dort viel einfacher bedruckt, die alten lilien, blumen und strukturen wie vergröbert. meine 40 jahre alten plaids gehen auseinander, ich habe also trotzdem viel mitgenommen, aber es ist mehr schatten als bild - stimmt das? nein, es stimmt nicht. ich stand vor den übervollen regalen und fand nichts. die erinnerung an guidos kritzeleien ist nicht mehr verfügbar und die kritzeleien auch nicht. sie waren ein bisschen wie dieses schrankpapier.

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v., mit dem ich über guido rede, erzählt von einem anderen krebskranken, der sei so gelassen, „ich mache meine geschäfte, der tod macht seine geschäfte“.

die todesangst von davidzwilling: angst vor verlassenheit und vorm verlassenwerden, mangel an bedingungsloser sicherheit. bei kindern sind diese großen gefühle viel näher am ich als an leben und tod.

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an die flüsse gedacht, versuchsweise. pathos geht so wenig beim thema tod. es ist wie mit der taschenlampe in den großen abgrund leuchten („finsternis“).

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